28. April 2022

 

Im Video-Gespräch das "kleine Nebenbei" erleben

 

Was mir immer mehr klar wird: In der Begegnung per Video geht das menschliche Annähern wesentlich langsamer als in Präsenz. Es fehlt das "kleine Nebenbei" - kleine Gesten, Bemerkungen, Freundlichkeiten, Hilfen.

Das ist online schwer herzustellen. Und doch so wichtig, um sich persönlich wohlfühlen zu können. Die räumliche Distanz ist auch eine emotionale, und das ist der Hauptgrund, warum sich viele so schwer tun mit dieser Art der Zusammenarbeit. 

 

Was ist zu tun?

Ich lerne an mir selbst. Wie reagiere ich, was passiert mit mir emotional, wie schaffe ich es, loszuplaudern, was brauche ich dazu?

Zu Beginn auf jeden Fall: Mut. Dann Selbstbewusstsein. Man ist ja auf dem Präsentierteller 😀

(Ich habe nachgesehen, woher diese Redensart kommt: Gut zu sehen in Serien wie Downton Abbey - der Butler bringt auf einem Teller/Tablett die Visitenkarte des anzukündigenden Gastes...)

Also Präsentierteller. Hier gilt, wie immer beim Präsentieren, das eigene, oft ungute Gefühl umzupolen in Freude. Ich darf mich präsentieren! Tun wir in Präsenz übrigens genauso, es ist uns da nur nicht so bewusst.

 

Gut also, wenn die Zusammenkunft von ModeratorInnen geleitet wird, die bewusst der Gruppe Zeit geben, um das "kleine Nebenbei", das emotionale Miteinander, zu erleben. Ja, es ist natürlich machbar, aber es braucht mehr Zeit. 

Diese Zeit wird übrigens leicht wieder reingeholt durch die hohe Konzentration, die bei der Online-Arbeit entsteht, und die uns schnell zu Ergebnissen führt. Also keine Bange, wagt ein wenig mehr "kleines Nebenbei"!

 

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20. September 2021

KÖRPERSPRACHE

 

Gestern im Trialog der Kanzlerbewerber und noch mehr in der Talkshow danach, bei Anne Will, wurde mir wieder einmal klar, wie wichtig und aussagekräftig die eigene Körpersprache ist!

 

    Und das gilt nicht nur in politischen Debatten, sondern auch in jedem Gespräch und jeder Auseinandersetzung. Mich hat gestern einmal wieder erstaunt, dass die TeilnehmerInnen sich offenbar nicht dessen bewusst sind, was sie mit ihrer Körperhaltung und Mimik über sich erzählen. 

    Eine Saskia Esken, die ständig vorgebeugt sitzt, vermittelt was? Ich bin angespannt, ich will hier auch mitmachen, natürlich bin ich kleiner, aber bitte nehmt mich wahr, ich weiß auch etwas....

    Ein Volker Bouffier, der sich ganz auf seine vollmundige Stimme verlässt, weit zurückgelehnt dasitzt und einfach drauflosredet, egal ob er dran ist oder nicht, erzählt mit seinem Körper: Ich bin absolut lässig und großartig, eigentlich müsste ich hier jede Woche sein, ihr müsst mir einfach zuhören, denn ich weiß, was richtig ist....

    Ein Robert Habeck, der aufrecht und offen sitzt, der Oberkörper etwas schief zum Unterkörper, die Mimik bemüht ruhig und anscheinend wach. Er ist ein Widerspruch in sich: Präsent und gleichzeitig nicht, in der Art 'hat ja doch keinen Zweck mit denen zu reden',  'ich bin müde von euch und dem Ganzen hier', und auch 'ja doch, ich habe eine Botschaft, ein Herzensanliegen'...

    Ein Christian Lindner, der sich beim Sprechen immer wieder aufplustert und versucht sich größer zu machen. Der grinst, wenn andere eine andere Meinung haben, nach dem Motto: 'Ich weiß es aber besser, das ist doch völlig klar' - er wirkt arrogant und besserwisserisch...

   

Und das sind nur ein paar Beispiele. Worauf könnten Sie achten in einer ähnlichen Situation? Hier einige Anhaltspunkte:


    - Wie sitzen Sie, wie sitzen die anderen?

Ist die Körperhaltung vorgebeugt, oder scheinbar bequem zurückgelehnt, die Beine verschränkt, die Hände verschränkt - alles nicht so gut. Oder sitzen Sie aufgerichtet und locker, so dass Sie jederzeit sprechen können? 

    - Wer kommt wann, warum und wie zu Wort?

Das ist nicht unbedingt der Lauteste. Es ist der/die Präsenteste in der Runde. In der inneren Haltung souverän, ruhig und sich seiner Inhalte sicher.

    - Wer verschafft sich Gehör? Und wie gelingt dies?

Tja, nicht einfach. Aufrecht sitzen, Blickkontakt aufnehmen, sich seiner selbst bewusst sein, überzeugt von den eigenen Gesprächsbeiträgen, -  das wären schon einmal erste Hinweise. Und ja, das klappt nur mit einer inneren Haltung, die genau das fühlt.

    - Sieht man Ihnen an, was Sie denken?

Antwort: Oh ja! Man sieht Ihre Widersprüche, man sieht, ob Ihre Worte, Ihre Mimik und Ihre äußere Haltung zu Ihrer inneren Haltung passen, ob Sie eins mit sich sind.

    - Wirken Sie glaubhaft? 

Nur, wenn Sie das was Sie sagen, auch wirklich meinen.

    - Was zeigt Ihre Mimik?

Sind Sie aufmerksam, hören Sie jedem Redebeitrag interessiert zu, respektieren Sie anders Denkende, sind Sie wirklich beseelt, von dem was Sie selbst sagen?